· 

Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapie, Psychologie und Psychiatrie?

In Österreich gibt es drei anerkannte PSY-Berufe: die Psychotherapie, die Psychologie und die Psychiatrie. Diese unterscheiden sich in ihren Zugängen, Inhalten, Grundlagen und Aufgabengebieten.

Häufig entsteht dadurch Verwirrung, wenn Personen zum ersten Mal Hilfe oder Beratung in Anspruch nehmen wollen. Wer von den drei PSY-berufen ist also wofür der richtige Ansprechpartner? 

 

Was macht die Psychotherapie? Was machen Psychotherapeut*Innen?

 

Die Psychotherapie ist in Österreich ein gesetzlich eigenständiger sowie anerkannter wissenschaftlich fundierter Heilberuf. Ziel einer Psychotherapie ist es psychisches Leid zu lindern oder wenn möglich zu heilen, innere sowie zwischenmenschliche Konflikte zu bewältigen, in Lebenskrisen zu helfen, die persönliche Existenz zu sichern und lebensbehindernde Verhaltensweisen oder Einstellungen zu ändern. Sie soll und kann auch dazu dienen, die persönliche Entwicklung und Gesundheit zu fördern. Die Tätigkeit der Psychotherapeut*Innen unterscheidet sich grundlegend von der psychiatrischen (medizinischen) und der psychologischen Berufsausübung. Eine Psychotherapie kann ähnlich dem Wahl-Arzt-System (Teilkostenrückerstattung), sofern diese als Heilbehandlung in Anspruch genommen wird, von den Krankenversicherungsträgern bezuschusst werden. 

 

Psychotherapiewissenschafter (wie ich einer bin) haben ein abgeschlossenes Studium, sowie ein jahrelanges Praktikum in klinischen Einrichtungen. Kernstück des Studiums der Psychotherapiewissenschaften ist neben den wissenschaftlichen Fächern, eine viele Stunden bzw. viele Jahre lange, umfassende Lehrtherapie. Es gibt vielfältige psychotherapeutische Methoden mit unterschiedlichen theoretischen Modellen, Konzepten und Schwerpunkten. PsychotherapeutInnen erlernen in der Regel eine der Methoden intensiv und erwerben Kenntnisse über die anderen. Die psychotherapeutische Beziehung braucht Zeit zu ihrer Entwicklung. Sitzungen dauern daher in der Regel 50 min oder 100 min, wobei die Behandlung, abhängig von der Problemlage, mehrere Wochen, Monate oder Jahre andauern kann und auf einzelne Personen, Paare, Familien und Gruppen abgestimmt ist.

 

Was macht die Psychologie? Was machen Psycholog*innen?

 

PsychologInnen haben ein abgeschlossenes Studium der Psychologie sowie je nachdem eine klinische Ausbildung. Sie erstellen Tests zur Diagnoseerstellung von psychischen Erkrankungen und Störungen und führen in diesem Zusammenhang ausgewählte Testungen mit PatientInnen zur Diagnoseerstellung durch. Ebenso sind sie berechtigt, psychologisch-beratende Gespräche mit Patient*Innen zu führen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Psychotherapie (sofern sie nicht nach ihrem Studium noch eine psychotherapeutische Ausbildung absolviert haben), sondern um eine psychologische Beratung (diese wird in der Regel nicht von den Versicherungsträgern refundiert).

 

Was macht die Psychiatrie? Was machen Psychiater*Innen?

 

Psychiater*Innen haben ein Studium der Humanmedizin sowie eine anschließende Facharztausbildung in Psychiatrie absolviert. Sie sind Mediziner*Innen und klären ab, ob für den seelischen Leidenszustand eine körperliche Ursache vorliegt (z. B. Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Stoffwechselstörungen, hormonelle Störungen, Vergiftungen …) und verschreiben bei Bedarf Medikamente, die die Symptome seelischen Leids mildern oder beseitigen helfen. Psychiater*Innen mit einer psychotherapeutischen Ausbildung dürfen auch medizinisch-psychotherapeutische Gespräche anbieten.

 

Alle drei PSY-Berufe arbeiten im optimalen Fall in ihren jeweiligen Schwerpunkten zusammen. In bestimmten Fällen wie z.B. hoch akuten Leidenszuständen die eine medikamentöse Behandlung unabdingbar machen, ist der Psychiatrie der Vorrang zu geben (beispielsweise bei einer akuten Suizidalität, bei psychotischen oder manischen Episoden, bei einer schweren Major-Depression, etc.), da erst durch eine vorherige medizinische psychiatrische Behandlung und optimale medikamentöse Einstellung eine Psychotherapie ggf. erst möglich wird. 

 

(Mag. Thomas Rotter BA)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0