Diversität & LGBTQIA*

Sexualtherapie | Sexualberatung

Sexualität: divers & subjektiv

Offen und in einem geschütztem Rahmen gesellschaftliche Welthaltungen über Sexualität in der eigenen Partnerschaft, eigene Wünsche und Bedürfnisse sowie die eigene sexuelle Identität und sexuelle Orientierung reflektieren zu können sind wichtige Aspekte einer Psychotherapie oder Beratung (Sexualtherapie).

In diesem Zusammenhang stehen beispielsweise Unsicherheiten und mögliche Konflikte die sich für eine Person sowie auch im Kontext mit dem jeweiligen sozialen Umfeld ergeben können. Diese verursachen nicht selten Scham, Leid und Verunsicherung. "Wer bin ich", "Wie bin ich", "Wie möchte ich sein" und "Was sind meine Bedürfnisse und Vorstellungen" sind beispielsweise wichtige Fragestellungen, die sich im Kontext der individuellen Sexualität ergeben.

Sexuelle Orientierungen & Queer Mental Health

Eine Vielfalt von Sexualitäten und Geschlechtsidentitäten hat es zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben. Auch wenn die heutige westliche Gesellschaft sich gerne als liberal, tolerant und inklusiv sieht, wird in Bezug auf die verschiedenen natürlichen Varianten sexueller Orientierungen sowie auf die vielfältigen sexuellen und geschlechtlichen Identitäten, Vorstellungen und unterschiedlichen Lebensentwürfen und Lebenskonzepten häufig eine große Unsicherheit, Verunsicherung und Ambivalenz gegenüber den komplexen und vielfältigen Varianten menschlicher Sexualitäten und Geschlechtsidentitäten sichtbar.

LGBTQIA* (homosexuell, bisexuell, pansexuell, asexuell, transsexuell, intersexuell, queer, u. a.) - Personen sind häufig in ihrer Entwicklung mit Herausforderungen sowie inneren und äußeren Konflikten konfrontiert, mit denen heterosexuelle Menschen in unserer Gesellschaft nicht konfrontiert sind. 

Aber nicht nur Menschen die Teil der LGBTQIA*-Community sind tun sich oft schwer ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Auch Angehörige und Familienmitglieder stehen häufig vor Herausforderungen, wenn sich eine geliebte Person outet, da auch sie einen Trauerprozess durchlaufen und von eigenen Vorstellungen und Konzepten die sie für sich als angemessen angenommen haben, verabschieden müssen. Beispielsweise der Wunsch nach Enkelkindern, aber auch die Angst vor Ausgrenzung, Anfeindung und Ablehnung beschäftigt nicht nur betroffene Personen, sondern auch ihr familiäres und soziales Umfeld.

Folgen möglicher daraus entstehender psychischer, emotionaler und sozialer Belastungen können die Entwicklung verschiedener psychischer, sozialer und psychosomatischer Symptome darstellen. Dazu zählen beispielsweise affektive Störungen, Angststörungen, psychosomatische Bilder, Identitätskrisen, Beziehungsprobleme, familiäre Konflikte, Selbstwertprobleme sowie leider auch eine dreifach erhöhte Suizidrate bei LGBTQIA*-Personen im vergleich zur restlichen Bevölkerung.

Psychotherapie bzw. psychotherapeutische Beratung (Sexualtherapie) kann eine sinnvolle Begleitung, Hilfestellung und Unterstützung darstellen, um mögliche eigene Themen und Problemstellungen besser zu bewältigen, sich selbst besser kennenzulernen und selbsterfahren zu können sowie Antworten auf mögliche Fragen zu finden, die sich aus dem eigenen Sein und Gewordensein ergeben. Psychotherapie kann außerdem hilfreich sein, um den eigenen Selbstwert und das Selbstbewusstsein zu stärken sowie die Lebensqualität und das eigene Wohlbefinden nachhaltig zu verbessern.


Diversity & Gender

Den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen folgend werden Geschlecht und Sexualität zunehmend als gesellschaftliche Konstrukte bzw. Konstruktionen verstanden. Das Wort "Gender" kommt aus dem Englischen und bezeichnet das sozial gelebte Geschlecht, welches alle Geschlechtsaspekte beinhaltet, die eine Person in Abgrenzung zu ihrem biologischen Geschlecht (im Englischen "sex") beschreibt.

Unter den Begriffen Geschlechterrollen oder Geschlechtsidentitäten werden geschichtlich und kulturspezifisch konstruierte variable Rollen, Werte, Ordnungen und Erwartungen zusammengefasst, die an das jeweilige bei der Geburt festgelegte Geschlecht geknüpft wurden.

Obwohl in der westlichen Welt das Konzept der gegensätzlichen und komplementären "Zweigeschlechtlichkeit" historisch gewachsen vorherrschend ist, befinden sich die geschlechtlichen Zuschreibungen in einem ständigen Wandel. Gelten die binären Kategorien "männlich" und "weiblich" heute noch häufig als Idealvorstellungen, stellen die vielfältigen Schattierungen in dem Kontinuum dazwischen und darüber hinaus (cis, non-binär, genderfluid, trans, inter u. a.) die tatsächliche Annäherung an die Lebensrealität dar. 

Auch in der Psychotherapie oder Beratung ist ein gendersensibles und genderkompetentes Verständnis ein bedeutender Faktor. Gender-differentes Wissen ist im Zusammenhang mit Erklärungs- und Entstehungsmodellen von Störungsbilder (z.B. sind Männer häufig "anders" krank als Frauen) und der individuellen Entwicklungsgeschichte genauso bedeutsam, wie beispielsweise in der Begleitung von Individuationsprozessen, der Sexualtherapie, der Paartherapie, oder auch der Selbsterfahrung bzw. der Persönlichkeitsentwicklung von Klient:innen u. a. m. 

LGBTQIA*: Was bedeutet das Akronym?

Mittlerweile gibt es sehr viele Begriffe die sexuelle Orientierungen kategorisieren sowie noch mehr Bezeichnungen für Geschlechtsidentitäten. LGBTQIA* bezeichnet dabei die Kategorien lesbisch, gay, bi, trans, queer, inter und asexuell, der Stern oder das + Zeichen stehen für alle weiteren möglichen natürlichen Varianten menschlicher Sexualitäten. Folgend werden einige Beispiele kurz erklärt:

"hetero": Heterosexualität beschreibt Menschen deren Sexualpräferenz romantisch sowie erotisch beim Gegengeschlecht verortet liegt. 

"homo / gay": Homosexualität bezieht sich auf Personen deren romantische und erotische Präferenz dem eigenen Geschlecht zugeordnet ist. 

"bi": Personen die sich bisexuell definieren, können sowohl Männer als auch Frauen erotisch sowie romantisch anziehend erleben.

"pan": Pansexuelle Menschen können sich romantisch sowie erotisch zu Personen aller Geschlechter hingezogen fühlen. Ihre Anziehung basiert nicht auf dem Geschlecht ihres Gegenübers. Häufig wird eine homo- oder heteronormative Denkweise abgelehnt und anstelle eine nicht-binäre Weltsicht bevorzugt. 

"a": Asexuelle Menschen empfinden kaum bis keine sexuelle Anziehung, egal zu welchem Geschlecht.

"fluid": Bei Personen die ihre sexuelle Orientierung als fluide bezeichnen, kann diese immer wieder einmal im Verlauf des Lebens wechseln und ist nicht auf eine bestimmte Präferenz festlegbar. 

"queer": Wenn sich eine Person als queer definiert, lehnt sie die gesellschaftlichen Normen von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit, also die Beschränkung auf die beiden Kategorien ,Mann’ oder ,Frau’, ab. Neben der heteronormativen wird auch die homonormative Kategorisierung abgelehnt bzw. das Denken in jeglichen eng gefassten und binären Kategorien.