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"Burn-on" oder das Gefühl ständig kurz vor einem Burnout zu stehen.

Der Begriff Burnout-Syndrom ist mittlerweile vielen Personen bekannt und leider in der heutigen Zeit keine Seltenheit mehr. Bisher noch weitgehend unbekannt aber ist das Burn-on-Syndrom. Es beschreibt einen Zustand des "andauernd gestresst" und "ständig erschöpft" Seins und kann auch als Vorstufe eines Burnout verstanden werden. 

 

Im Unterschied zu einem manifestierten Burnout, kommt es beim Burn-on nicht zu einem kompletten Zusammenbruch der Leistungsfähigkeit und des alltäglichen Funktionierens einer Person, jedoch verursacht der dabei erlebte chronische Dauerstress zunehmend psychische und physische Beschwerden die dringend ernstgenommen werden müssen. 

 

Während bei einem Burnout-Syndrom Personen "ausbrennen" kann man sich unter dem Burn-on-Syndrom vorstellen, dass Betroffene ständig "weiter brennen". 

 

Wie entsteht das Burn-on-Syndrom?

Das Burn-on-Syndrom kann als Folge unseres modernen Alltags und seiner Anforderungen verstanden werden. Die ständig zunehmende Forderung und Bedeutung von Leistung, High Performance, Erfolg, Produktivität und Anerkennung setzt viele Personen enorm unter Druck. Im Versuch all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, kommen nicht nur persönliche Ressourcen zu kurz und jegliches Gleichgewicht geht verloren, sondern auch Körper und Psyche werden dadurch andauern belastet ohne sich zwischendurch vollständig erholen und regenerieren zu können.

Darunter leiden mit der Zeit bspw. die Lebenszufriedenheit, das Wohlbefinden, die Gesundheit und auch die sozialen Kontakte und Beziehungen Betroffener. Nicht selten wird folgend versucht diese wahrgenommene Dysbalance mit noch mehr Leistung, beruflicher Anerkennung und Arbeit wieder zu kompensieren – es entsteht ein fataler Teufelskreis.

Woran kann man ein Burn-on erkennen?

Durch das Gefühl des chronischen gestresst Seins und der ständigen Erschöpfung kommt es zu einem Zustand massiver Daueranspannung und daraus folgenden ist die Entstehung vielfältiger psychosomatischer Symptome möglich. Erste Anzeichen für Betroffene können häufig starke Rücken-, Kopf- oder Nackenschmerzen sowie Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder Rückzug darstellen. Aber auch Bluthochdruck, Schwindelattacken, Gewichtszunahme und Verdauungsprobleme können Anzeichen sein, die auf ein entstandenes / entstehendes Burn-on-Syndrom hinweisen.

Klar feststellen ist, dass Dauerstress und chronische Anspannung unbehandelt langfristig zu ernsten gesundheitlichen Problemen und Krankheiten führen können. 

Während ein Burnout eine akute Erschöpfungsdepression darstellt, bezeichnet ein Burn-on den Zustand einer chronischen Erschöpfungsdepression oder einer chronischen psychovegetativen Erschöpfung.

Der gesamte Fokus bei betroffenen Personen ist dabei auf das Berufliche sowie das Leisten fixiert und alle anderen Lebensbereiche müssen sich diesen Leistungsansprüchen, der Arbeit und der Arbeitsfähigkeit unterordnen. Personen mit Burn-on zeigen häufig enorm rigide und strenge innere Leistungsimperative und Antreiber sowie eine hohe Leidensbereitschaft und wenig Zufriedenheit mit Erfolgen oder Erreichtem.

Die strengen Leistungs- und Arbeitsansprüche werden dabei nicht nur im beruflichen sondern auch im privaten Leben von sich selbst und häufig auch vom Umfeld gefordert. Dabei entstehenden Verhaltensmuster weisen häufig nahezu zwanghafte und abhängige Charakteristika auf. Nicht selten entstehen in Folge vermehrt depressive Phasen sowie zunehmend Ängste sich nicht genug anzustrengen, nicht genug geleistet zu haben, oder auch nicht genügen zu können. 

Welche Auswege kann es geben aus Burn-on und Dauerstress?

Es ist nachvollziehbar, dass Verhaltens- und Denkmuster die über einen langen Zeitraum eingeübt und praktiziert worden sind, teilweise sogar über Jahrzehnte geübt wurden, nicht kurzfristig oder in ein paar Wochen dauerhaft und nachhaltig verändert werden können. 

Zu Beginn steht als wichtigster Faktor die Einsicht und die Erkenntnis, dass der eigene Verhaltensmodus und die bisherigen Lebensgewohnheiten möglicherweise nicht gesund sind und Auslöser sowie Aufrechterhaltungsfaktoren für den gefühlten Dauerstress und die chronische Erschöpfung darstellen. 

Entsteht aus dieser Erkenntnis und Einsicht ein Wunsch nach Veränderung, ist es wichtig, dass diese als ein Prozess verstanden wird - also der Weg das Ziel ist und dieser Prozess im Sinne einer andauernden und dauerhaften gesunden Selbstentwicklung begriffen wird. 

Als ersten Schritt ist es auch wichtig zu verstehen, dass dieser Prozess nicht alleine und ohne Hilfe von außen geschafft und bewältigt werden muss. Häufig ist die Entscheidung sich professionelle Unterstützung in Form einer Psychotherapie, Beratung oder eines Coachings zu suchen, ein entscheidender Erfolgsfaktor für einen nachhaltigen gesunden Entwicklungsprozess und hilfreich wieder innere Freiräume zurückzuerobern und die dafür notwendigen Ansätze und Methoden zu erlernen.

Dazu zählen Techniken frühere festgefahrene Verhaltens- und Denkmuster zu verändern, Entspannung auf psychischer und physischer Ebene zu erlernen und zu praktizieren, Glaubenssätze zu verändern sowie die ständige Selbst- und Fremdausbeutung nachhaltig zu beenden, Ressourcen zu stärken und sich der eigenen Werte, Bedürfnisse sowie sich selbst bewusst zu werden und auf eine gesunde Weise zukünftig zu handeln. 

Ein solcher Prozess erfordert viel Geduld und Konsequenz, jedoch ist es realistisch und machbar diese früheren ungesunden Gewohnheiten, Glaubenssätze, Verhaltens- und Bewältigungsmuster nachhaltig zu verändern sowie langfristig wieder einen Weg aus der Erschöpfungsdepression bzw. dem Burn-on-Syndrom zu finden, oder diese zu verhindern. 

Quellen: 

Schiele Timo & Te Wildt Bert (2021): Burn On. Immer kurz vor dem Burn Out. Das unbekannte Leiden und was dabei hilft. München: Droemer

Prieß Miriam (2019): Burn-out. Kommt nicht nur von Stress. Warum wir wirklich ausbrennen und wie wir zu uns selbst zurückfinden. München: Goldmann

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